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14. Mai 2014 - Neue Mängel an der Waldschlößchenbrücke

Nach kaputten LED-Leuchten und welligem Asphalt senkt sich die Straße an einigen Stellen.

Von Peter Hilbert und Tobias Wolf

Zwar rollt der Verkehr seit August vergangenen Jahres über die Waldschlößchenbrücke. Doch die Brückenbauer haben immer noch zu tun. Und das nicht nur bei den letzten Restarbeiten rings um die umstrittene Elbquerung. Derzeit sind die Bauleute dabei, Mängel auf der Brücke zu beseitigen. Deshalb markieren seit Tagen rot-weiße Warnbaken Engstellen, an denen gearbeitet wird.

Im Zuge der Gewährleistung werden kleine Schäden am Rande der Fahrbahn beseitigt, erläutert Projektleiter Michael Wothe von der Sächsischen Bau GmbH. Etwa einen halben Meter vom Bordstein entfernt gibt es insgesamt 18 kleine Schächte auf der Straße, die mit gusseisernen Deckeln verschlossen sind. Ringsherum sind sie mit Asphaltfugen abgedichtet. „Einige davon haben sich eher abgefahren als gedacht und abgesenkt“, sagt Wothe. Deshalb gab es neue Holperstellen auf der Straße. Immerhin rollen täglich tausende Fahrzeuge darüber. Nun haben die Männer von der Sächsischen Bau GmbH die bröckeligen Fugen aufgepickert und mit frischem Spezialasphalt verfüllt. Aufgebracht wurden zusätzliche Wölbungen, damit sich der Asphalt nicht wieder so schnell abfährt.

Bei den Schächten handelt es sich um sogenannte Reinigungsöffnungen direkt über der 30 Zentimeter starken Entwässerungsleitung. Die ist im großen Stahlkasten unter der Fahrbahnplatte angebracht. Von den Gullys am Straßenrand läuft Regenwasser über kleine Querleitungen ins große Abflussrohr. Damit das regelmäßig durch einen starken Wasserstrahl gespült und somit von Schmutz befreit werden kann, gibt es diese Schächte.

Experten zweifeln an Haltbarkeit

Allerdings hat sich jetzt auch herausgestellt, dass die verschraubten Auflagen der Schächte auf der stark befahrenen Straße desolat sind. Deshalb mussten sie mit kleinen Stahlplatten verstärkt werden. Diese Woche wurden die Fugen an zwei Reinigungsöffnungen erneuert. Damit sind die Arbeiten abgeschlossen. Bauexperten bezweifeln aber, dass die Fugen um die Schächte dauerhaft stabil bleiben.

Bei der starken Verkehrsbelastung könnte es passieren, dass sie im Jahresrhythmus instand gesetzt werden müssen, sagte ein Dresdner Brückenfachmann der SZ. Die jetzt reparierten Mängel sind nicht die ersten, die an der neuen Brücke festgestellt wurden. Schon wenige Wochen nach ihrer Eröffnung waren LED-Leuchten in den Handläufen ausgefallen. Eigentlich sollten die speziell für die Waldschlößchenbrücke konstruierten Lichtleisten sehr langlebig sein. Doch elf waren komplett ausgefallen, bei sechs weiteren waren einzelne Leuchtdioden defekt. Das Problem: Die Herstellerfirma Hess hatte nach der Lieferung die Insolvenz angemeldet. Doch das Nachfolgeunternehmen sorgte dieses Jahr für Ersatz.

Zudem stellte sich heraus, dass die Fahrbahn der Waldschlößchenbrücke zu wellig ist. Das liegt am sogenannten Gussasphalt. Durch seine hohe Dichte ist er mit 25 Jahren zwar wesentlich länger haltbar als herkömmlicher Walzasphalt. Allerdings haben sich darauf an einigen Stellen bis zu neun Millimeter hohe Wellen gebildet. Straßenbauamtschef Reinhard Koettnitz hofft, dass der Verkehr im Sommer die Wellen glattwalzt. Experten, so der Dresdner Brückenprüfer Peter Simchen, bezweifeln dies aber.

Sächsische Zeitung, 09. Mai 2014


Langsam wird’s peinlich, Peter Hilbert über die Mängel an der Waldschlößchenbrücke

Die Kette der Mängel an der Waldschlößchenbrücke scheint nicht abzureißen. Zuerst fallen die hochgelobten LED-Leuchten aus, die einst den Unesco-Welterbetitel retten sollten. Dann schlägt der Asphalt Wellen. Und jetzt sind sogar noch kleine Stahlschächte zu Holperstellen geworden. Ist das schon das Ende der Mängelliste? Das weiß wohl keiner. Aber langsam wird es peinlich. Immerhin ist fast sechs Jahre an der Brücke gebaut worden. Zudem sind die 181 Millionen Euro für Brücke, Tunnel und die Straßenanschlüsse nicht gerade ein geringes Sümmchen, das die Stadt investiert hat. Da ist durchaus zu erwarten, dass Qualität geliefert wird. Genau die sollte die Stadt auch bis zum letzten Fleckchen welligen Asphalts verlangen.

Diese Brückenmängel sind zwar ärgerlich, für die Kraftfahrer aber sicher noch zu verkraften. Viel wichtiger ist, dass das Rathaus endlich handelt und vernünftige Anschlüsse für die autobahnartige Waldschlößchenbrücke herstellt. Wer mit der Brücke A sagt, muss bei den Anschlüssen auch B sagen. So sieht der westliche Teil der Stauffenbergallee bis zum Hammerweg mit seinem Pflaster noch wie zu Kaisers Zeiten aus. Auch der Zustand der zweiten Hälfte der Fetscherstraße bis zur Stübelallee ist nicht gerade ein Ruhmesblatt für eine verkehrsfreundliche Stadt.

Sächsische Zeitung, 09. Mai 2014