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27. November 2014 - Schlussakt an der Waldschlößchenbrücke

In diesem Monat sollen neue Parkplätze fertig sein. Beendet ist das Dresdner Großprojekt damit aber noch lange nicht.

Von Peter Hilbert

An der Waldschlößchenbrücke rollen wieder Bagger. Der Schlussakt nach Beräumung der Baustelle nähert sich dem Ende. Dort, wo am Johannstädter Anschluss einst Baustellencontainer standen, werden die sogenannten Brückenohren inmitten der Zu- und der Abfahrt gestaltet.

Die neuen Parkplätze: Ende November 153 gebührenfreie Stellplätze

Auf den beiden Flächen mit insgesamt 3 100 Quadratmetern entstehen 153 Stellplätze, davon vier für Behinderte, erläutert Straßenbauamtschef Reinhard Koettnitz. Sie sollen gebührenfrei sein und öffentlich genutzt werden können. „Ursprünglich gab es Überlegungen, auf der Ostseite einen Ausweichparkplatz fürs Max-Planck-Institut zu schaffen“, verweist er auf die Vorgeschichte. Doch das war letztlich nicht nötig, da dafür ein Parkhaus an der nahe gelegenen Gleisschleife gebaut wird.

Also entstehen jetzt zwei öffentliche, gebührenfreie Parkplätze beiderseits der Brücke. Allerdings werden sie nur auf jeweils der Hälfte der Flächen angelegt. Auf den Streifen entlang des Käthe-Kollwitz-Ufers entstehen begrünte Böschungen. „Dort werden 123 Bäume gepflanzt, darunter Winterlinden, Woll- und Zieräpfel“, erklärt Koettnitz.

Anfang September hatte der Bau begonnen. Vorher suchten Experten des Kampfmittel-Beseitigungsdienstes nach Munition aus dem Zweiten Weltkrieg. Die fanden sie zwar nicht. Dafür hatten die Bauleute der beauftragten Firma Wolff und Müller danach umso mehr mit anderen Überresten zu tun. 1,50 Meter tief musste der Untergrund ausgehoben werden, um insgesamt 7 000 Kubikmeter auszuheben. Ein Großteil davon war Trümmerschutt.

Sowohl auf der Ost- als auch auf der Westseite der Brücke haben die Parkflächen schon Gestalt angenommen. Die Zufahrten werden asphaltiert, die Stellplätze mit wasserdurchlässigem Ökopflaster befestigt. Die Stadt investiert rund 660 000 Euro dafür. „Ende November wollen wir fertig sein“, nennt Koettnitz das Ziel.

Die kleinen Brückenwellen: Stadt gibt die Hoffnung nicht auf

Dresdens größtes Bauprojekt nach der Wende ist für den Amtschef jedoch auch danach nicht ganz abgeschlossen. Einerseits streitet sich die Stadt nach wie vor mit Baufirmen und Umweltschützern. Zum anderen gibt es einige Mängel. So schlägt der Gussasphalt nach wie vor Wellen. Zumindest an einigen Stellen, räumt er ein. Zulässig sind Differenzen von vier Millimetern. Gemessen wurden vor einem Jahr bis zu neun Millimeter hohe Wellen. Der Gussasphalt ist wegen seiner hohen Dichte zwar sehr lange haltbar. Allerdings sind sich Experten gewiss, dass deshalb auch bei starker Verkehrsbelastung die Wellen nicht herausgewalzt werden.

„An der Fahrbahn werden wir aber nichts mehr machen“, so Koettnitz. Durch die leichten Wellen gebe es keine Unfallgefahr. Entgegen der Meinung anderer Experte hofft er, dass die Unebenheiten längs der Fahrbahn durch den Verkehr glattgewalzt werden. „Auf der Flügelwegbrücke war es auch so“, verweist Koettnitz auf das Beispiel der 2004 erneuerten Elbquerung. Da es sich jedoch um einen Qualitätsmangel handelt, zahlt die Stadt rund 9 000 Euro weniger an die beauftragte Baufirma. „Damit ist die Situation bereinigt“, resümiert er.

Die problematischen Leuchten: Farbe der Lichtleisten verändert sich

Für Ärger sorgen auch die LED-Lichtleisten, mit denen das Rathaus einst den Unesco-Welterbetitel retten wollte. Einige der eigentlich sehr langlebigen Leuchten fielen kurz nach der Brückenübergabe im vergangenen Jahr aus. Sie waren speziell für die Brücke gebaut worden. Die Herstellerfirma Hess war aber im vergangenen Jahr pleite. Allerdings fertigte ein Nachfolgeunternehmen Ersatz. „Jetzt sind sie zwar weitgehend instand gesetzt“, sagt Koettnitz. Nun gibt es aber Farbveränderungen an den Lichtleisten. „Wir vermuten, dass es mit dem Harzverguss zu tun haben könnte.“

Die hohen Brückenkosten: Streit um Millionenforderung nicht geklärt

Noch immer offen ist, wie teuer der Brückenbau letztlich wird. Bisher geht die Stadt von 181 Millionen Euro aus. Die Schlussrechnungen der zahlreichen Firmen seien zwar weitgehend geprüft. Aber die Stadt und die Brückenbau-Arbeitsgemeinschaft streiten sich noch immer um zwölf Millionen Euro.

Das offene Verfahren: EU-Gerichtshof soll Brückenbau prüfen

Noch nicht entschieden ist die Klage von Umweltverbänden gegen die Brücke beim Bundesgerichtshof, da sie die Eingriffe beim Bau für zu groß halten. Kürzlich wurde der EU-Gerichtshof eingeschaltet.

Sächsische Zeitung, 26. November 2014