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| 29. Juli 2010 - Brückenbauer geraten in Zeitnot |
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Anfang 2011 soll das Mittelteil der Waldschlößchenbrücke über die Elbe schwimmen. Kommt die Genehmigung dafür nicht bald, kippt der Zeitplan. Am Neustädter Elbufer sind schon alle großen Stahlträger der 217 Meter langen Brücke montiert. Das Rathaus: Hoffnung auf nachträgliche Genehmigung Ursprünglich war geplant, dass der Koloss schon in diesem Frühjahr über die Elbe schwimmt. Doch daraus wurde nichts. Das Rathaus hatte schlicht und einfach versäumt, die Genehmigung für die vorbereitenden Arbeiten einzuholen. Schließlich muss auf rund 12000Quadratmetern der geschützte Elbgrund abgebaggert werden. Das war der Grünen Liga aufgefallen, die erfolgreich ihr Veto eingelegt hatte. Das Rathaus versucht nun, nachträglich dafür die Genehmigung zu erhalten, und hat einen entsprechenden Antrag fürs Abbaggern der Fläche gestellt. Die Ob: Verantwortliche werden nicht genannt Die Grünen-Stadträtin Ulrike Hinz hatte bei Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU) kürzlich nachgehakt, wer denn beim Genehmigungsverfahren versäumt hat, die schweren Eingriffe im Schutzgebiet zu beantragen. Die so gestellte Frage könne sie nicht beantworten, reagierte die Rathauschefin lapidar. Das wertet Hinz als „Frechheit“. „Wie kann ein Amt so einen wichtigen Vorgang einfach vergessen?“, fragt sie. Die Stadt sollte zumindest den Fehler öffentlich einräumen. Die Landesdirektion: Bis September fällt Entscheidung Die geänderten Pläne hatten einen Monat lang öffentlich ausgelegen. Sechs Einsprüche sind eingegangen. Einer von der Grünen Liga Sachsen, fünf von Privatleuten, teilt Sprecherin Christa Krätzer von der Landesdirektion mit. Die Einspruchsfrist endet jedoch erst am 4. August. Ihre Behörde prüft dann, ob der Antrag genehmigt oder abgelehnt wird. „Wir gehen davon aus, dass die Entscheidung bis Anfang September fällt“, sagt sie. Auf einen positiven Bescheid zu diesem Zeitpunkt hofft auch Baubürgermeister Jörn Marx (CDU). Würde die Entscheidung später fallen, könnte es erhebliche Probleme geben, den geplanten Endtermin zu halten, räumt er ein. Die Grüne Liga: Notfalls soll Richter den Bau stoppen Die Grüne Liga lehnt den Plan strikt ab, zusätzliche geschützte Flächen für den Brückenbau in Beschlag zu nehmen. Auf den zum Abbaggern vorgesehenen 12000Quadratmetern würden viele charakteristische Tier- und Pflanzenarten in Mitleidenschaft gezogen, argumentiert Liga-Anwalt Prof. Martin Gellermann. Sollte die Landesdirektion den Eingriff genehmigen, wollen die Umweltaktivisten vor Gericht einen Baustopp erreichen. OB Orosz hatte auf die Anfrage der Grünen hingegen versichert, dass die Belange von Flora und Fauna bei den Arbeiten berücksichtigt werden. Der Bauchef: Freude über schnellen Brückenbau am Ufer Baubürgermeister Marx macht indes Druck, dass zumindest die Arbeiten am Elbufer schnell vorangehen. Um den Zeitverlust zu kompensieren, hatte die Montage der 217Meter langen Brücke zwischen Neustädter Ufer und Tunnelportal, früher als geplant, schon Anfang dieses Jahres begonnen. Am vergangenen Freitag stand er stolz daneben, als der letzte Längsträger vom Kran eingehoben wurde. Die Stahlmontage soll dort im Auch der Tunnelbau geht zügig voran. Im Januar sollen die Rohbauten aller Betonröhren stehen. „Ich finde es optimal, wie alles läuft“, so der Baubürgermeister. Nun hoffe er nur noch darauf, dass spätestens im März 2011 das Mittelteil über die Elbe schwimmt. Von Peter Hilbert (Sächsische Zeitung, 28. Juli 2010) |
| 26. Juli 2010 - Deutschland wirbt verstärkt um Gunst der Welterbehüter |
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Paris/Brasilia (DPA): Rund 890 Kultur- und Naturdenkmäler haben es geschafft und dürfen sich mit dem viel begehrten Unesco-Titel „Welterbe“ schmücken. Dieses Jahr hofft das Oberharzer Wasserregal auf diese Ehre, ein jahrhundertaltes komplexes Wasserwirtschaftssystem. Die Entscheidung darüber wird in Brasilia zwischen dem 25. Juli und 3. August fallen, wenn sich das UNESCO- Welterbekomitee zum 34. Mal trifft. Insgesamt bemühen sich 32 Kultur- und Naturstätten um die Aufnahme in den exklusiven Kreis der Welterbestätten. Dass das UNESCO-Prädikat so gefragt ist, liegt einerseits an den Fördergeldern, die mit diesem Qualitätssiegel verbunden sind, andererseits an dem wirtschaftlichen Potenzial, das die „Welterbe-Touristen“ repräsentieren. In Niedersachsen gibt man sich zuversichtlich. „Der niedersächsische Vorschlag, die Oberharzer Wasserwirtschaft als deutsches Weltkulturerbe der UNESCO aufzunehmen, ist eine berechtigte Auszeichnung für den Harz. Nun besteht die Chance, dieses seit dem Mittelalter weiter entwickelte Meisterwerk der Wassertechnik aufzuwerten“, erklärte das Kulturministerium in Hannover vor wenigen Tagen. Doch nicht alle Denkmäler haben die Chance aufgenommen zu werden. Deutschland ist derzeit mit 33 Stätten vertreten. Ägypten, das Reich der Pharaonen und Pyramiden, mit sieben. Das Oberharzer Wasserregal zählt zu den größten und bedeutendsten historischen bergbaulichen Wasserwirtschaftssystemen der Welt. Die Anlage erstreckt sich über ein Gebiet von rund 200 Quadratkilometern im niedersächsischen Teil des Harzes und besteht aus miteinander verbundenen Teichen, Stollen, Gräben und Schächten. Die Anlage wurde vom 16. bis 19. Jahrhundert von Bergleuten zum Antreiben von Pumpen und Wasserrädern gebaut und genutzt. Das deutsche Meisterwerk früherer Ingenieurskunst hat starke Mitkonkurrenten. Die Niederlande wollen die Auszeichnung für das Stadtviertel und Kanalsystem der Singelgracht in Amsterdam und Österreich für die Altstadt von Graz und das Eggenberg-Schloss im Westen der Stadt. Wie hoch die Chancen des Antrags der Marshall-Inseln sein wird, das Bikini-Atoll in die Liste des Weltnaturerbes aufzunehmen, wird ebenfalls in der nächsten Woche entschieden. Das Atoll liegt im Pazifischen Ozean und wurde zwischen 1940 und 1958 als Schauplatz zahlreicher Kernwaffentests der USA benutzt. Im vergangenen Jahr entzogen die Welterbehüter dem Dresdner Elbtal den Welterbetitel. Dieses Jahr soll dieses Schicksal zwar keine der Stätten treffen, doch sollen mehrere Projekte einer kritischen Prüfung unterzogen werden. Die 21 UNESCO-Experten werden sich erneut mit der Frage befassen, ob sich eine von der Wirtschaft Rheinland- Pfalz geforderte Brücke mit dem Welterbestatus des Oberen Mittelrheintals verträgt – der Ausgang ist offen. Zwischen Koblenz und Mainz gibt es auf rund 85 Kilometern weder Brücke noch Tunnel. Mit Spannung schaut auch Regensburg auf die von diesem Sonntag bis 3. August dauernde Tagung im fernen Südamerika. Die Oberpfälzer Stadt will dort den Welterbehütern Pläne zum Bau einer Brücke über die Donau vorlegen. Sozusagen eine Ersatzbrücke zur „Steinernen Brücke“. Die fast 900 Jahre alte „Steinerne“ – sie gehört neben dem gotischen Dom zu den herausragenden Denkmälern der Weltkulturerbestadt – wird derzeit für 20 Millionen Euro saniert. Kritiker befürchten eine Parallele zur umstrittenen Waldschlösschenbrücke im Desdner Elbtal. (Märkische Oderzeitung, 23. Juli 2010) Land will auf UNESCO-Tagung beim Thema Mittelrhein behutsam vorgehen Bei der bevorstehenden Tagung des UNESCO-Welterbekomitees wollen die Vertreter des Landes Rheinland-Pfalz beim Thema Mittelrheinbrücke äußerst behutsam vorgehen. Man werde nicht so «massiv» auftreten wie damals die Delegation aus Dresden, als es um die Waldschlößchenbrücke im Elbtal ging, sagte Kulturstaatssekretär Walter Schumacher in Mainz im ddp-Interview. «Die haben es darauf angelegt», betonte Schumacher. Die Dresdner Waldschlößchenbrücke befindet sich derzeit im Bau, der Welterbetitel wurde 2009 aberkannt – ein bisher einmaliger Vorgang. Bei der UNESCO-Tagung in der brasilianischen Hauptstadt Brasilia vom 25. Juli bis 3. August steht unter anderem die im Oberen Mittelrheintal geplante Rheinquerung auf der Tagesordnung. Die Landesregierung habe alles, was die UNESCO zu dem Projekt verlangt habe, bereits eingereicht, sagte Schumacher. Darunter sei auch ein Gutachten eines Büros in Aachen, das den Brückenbau positiv bewerte. «Dasselbe Institut hatte damals die Waldschlößchenbrücke abgelehnt», sagte Schumacher. Zu dem Gutachten gehörten unter anderem Fotos des Oberen Mittelrheintals aus etwa 80 Perspektiven, in die die Brücke nachträglich eingefügt wurde. Auch seien bereits Vertreter der UNESCO vor Ort gewesen, um sich selbst ein Bild zu machen. Zur Kritik der rheinland-pfälzischen Grünen, die die Brücke ablehnen und auch keine endgültige Entscheidung in Brasilia erwarten, sagte Schumacher: «Wenn man etwas nicht will, kann man es immer anzweifeln.» Zu möglichen Belastungen durch die Brücke gebe es bisher «keine seriöse Berechnung von den Kritikern, die gibt es nur von der Landesregierung». Auf die Frage, was zu tun sei, wenn die UNESCO die Vereinbarkeit von Brückenbau und Welterbetitel nicht sehe, sagte Schumacher: «Dann muss sich die Landesregierung überlegen, was sie tut.» Vor den Entscheidungen der UNESCO «muss man Respekt haben». (AD HOC NES, 23. Juli 10) |
| 21. Juli 2010 - Das Erzgebirge als Weltkulturerbe |
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Das Erzgebirge will den Kulturerbe-Titel. Doch das Schutzgebot der Unesco birgt auch eine Gefahr für die wirtschaftliche Weiterentwicklung der Region, so die Gegner des Projekts. “artour” hat Gegner und Befürworter befragt. Blick auf das Museum Frohnauer Hammer bei Annaberg-Buchholz Gute Prognosen Schon 1998 – seinerzeit unter Ministerpräsident Kurt Biedenkopf – wurde der Anstoß zur Bewerbung gegeben. Mit Elbtal und Erzgebirge wollte man Sachsen mit zwei Kulturerbe-Titeln krönen. Beim Elbtal ging dies schnell – dafür auch ganz schnell wieder vorbei. Die Montanregion Erzgebirge hingegen ist als überregionale Industrielandschaft deutlich komplexer – die Bewerbung dauert länger. Mittlerweile aber wird länderübergreifend an der Bewerbung gearbeitet – das benachbarte Tschechien sitzt mit im Boot. Studien und Prognosen für das Unternehmen “Weltkulturerbe Erzgebirge” sind vielversprechend, 2013 soll die Bewerbung eingereicht werden. Doch nun das: Nachdem Mitte Juni Sachsens zuständiger Innenminister Markus Ulbig bei einer Regionalkonferenz erstmals die Unterstützung der Landesregierung in Aussicht gestellt hatte, wurde er vom Landesvater Tillich abgebremst: Ulbig sei übers Ziel hinausgeschossen. Der Meinungsbildungsprozess in der Staatsregierung sei noch längst nicht abgeschlossen. Argumente der Gegner Die größte Gefahr, die ein Weltkulturerbe-Titel mit sich bringt, bestehe darin, dass durch das Schutzgebot der Unesco eine wirtschaftliche Weiterentwicklung des betroffenen Gebietes unterbunden wird – siehe Waldschlösschenbrücke! Der Titel bringe also wenig, maximal viel Ärger. So argumentieren die seit dem Dresden-Debakel lauter werdenden Gegner des Bewerbungsprojekts, allen voran der sächsische CDU-Fraktionschef Steffen Flath. Befürworter halten dem entgegen, dass nicht die gesamte Region sondern nur einzelne Kommunen und besondere Kostbarkeiten des Erzgebirges unter Schutz gestellt würden. Dies täte nicht nur den 34 ausgesuchten Objekten gut, es würde überdies auch den noch mangelhaften internationalen Tourismus in der Region ankurbeln. Ist die Idee Weltkulturerbe in Sachsen tot? Ist das Elbtal-Trauma noch nicht überwunden? Sind der Titel und eine wirtschaftliche Weiterentwicklung wirklich unvereinbar? “artour” hat beide Seiten befragt: Projekt-Gegner Steffen Flath und Professor Helmuth Albrecht von der Technischen Universität Freiberg, der seit elf Jahren die Bewerbung des Erzgebirges vorantreibt. Video zum Beitrag auf www.mdr.de (MDR artour, 15. Juli 2010) |
| 21. Juli 2010 - Ausbau der Fetscherstraße verzögert sich |
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Johannstadt-Nord Das erste Stück der Fetscherstraße an der Waldschlößchenbrücke ist bereits ausgebaut. Ab der Pfotenhauerstraße wird nun ab 2011 der nächste Abschnitt folgen. Die Straßenbahngleise, die nicht mehr nötig sind, werden rausgerissen. Geplant sind auch Radwege und Parkstreifen. Die Fetscherstraße wird vor allem deshalb ausgebaut, da sie künftig eine Hauptzufahrt zur Waldschlößchenbrücke ist. Rollen in dem Abschnitt derzeit noch 10000 Fahrzeuge täglich, so werden es laut der Prognose im Jahr 2020 rund 25000 sein. (SZ/phi) (Sächsische Zeitung, 21. Juli 2010) |
| 20. Juli 2010 - Zum Verlust des UNESCO-Welterbetitels |
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Pressemitteilung des Die Welterbebewegung Dresden hat zum ersten Jahrestag des Verlustes des Welterbetitels Dresdner Elbtal die folgenden 10 Thesen formuliert. 2. Die Bedeutung der Welterbeproblematik und der damit verbundene Titelverlust sind in der Gesamtheit der Dresdner Stadtgesellschaft bis heute weder erkannt noch verstanden. 3. Die daraus resultierende tiefe Verunsicherung hinsichtlich des Selbstbildes einer Kunst- und Kulturstadt wird nicht wahrgenommen. 4. Es gibt seitens der Stadtspitze, des Freistaates und des Bundes keinerlei Interesse an einer Aufarbeitung des weltweit bisher einmaligen Geschehens. Bis heute hat niemand die politische Verantwortung für den Vorgang übernommen. 5. Bis heute wird die UNESCO von offizieller Seite des Freistaates Sachsen als Verhinderer von Wirtschaftsinteressen, als Vertragsbrecher und Querulant in absolut unzulässiger Weise gebrandmarkt. Die völkerverbindende und kulturbildende Funktion des Welterbeprogrammes der UNESCO wird damit disqualifiziert. 6. Ein Welterbetitel ist ein ideeler Faktor, dessen wirtschaftliche Gewichtung – im Falle seines Verlustes – materiell schwer zu beziffern ist. Insofern ist eine Aufrechnung gegenüber sinkenden oder steigenden Touristenzahlen unsinnig, da es mit dem Vertagsgegenstand (Schutz des Welterbes) nichts zu tun hat. 7. Dresden hat durch den Welterbeverlust bis jetzt bereits 10 Millionen Euro aus dem Förderprogramm des Bundes für Welterbestätten verloren. Da der Bund die Absicherung der Mehrkosten für den Bau des Elbtunnels übernommen hätte, sind durch die bereits jetzt angefallenden Mehrkosten für die WSB (30 Millionen Euro) und durch den Förderverlust ein Minus für den Freistaat und die Stadt Dresden in Höhe von 40 Millionen Euro entstanden. 8. Der Welterbeverlust war jederzeit verhinderbar, politisch aber nie gewollt. Alle Verhandlungsangebote der UNESCO wurden aktiv von Seiten des Freistaates und seiner Einflussträger im Bund verhindert. 9. Die jetzt bereits aufgelaufenen Mehrkosten für den Bau der WSB von ca. 30 Millionen Euro decken sich mit den prognostizierten Mehrkosten des Elbtunnels am Waldschlößchen. Da der Elbtunnel nachweislich baubar ist, wäre mit dieser Lösung der Welterbetitel jederzeit zu erhalten gewesen. 10. Der konstruierte Konflikt zwischen Bürgerentscheid pro WSB und Welterbeerhalt ist sachlich unzulässig. Zum Zeitpunkt des Bürgerentscheides pro WSB (der seiner verkehrlichen Intention nach von den Befürwortern des Elbtunnels nie in Frage gestellt wurde) gab es noch keine Konfliktsituation mit dem Welterbestatus, da dieser erst später verliehen wurde. Der Konflikt wurde bewusst politisch instrumentalisiert, um dadurch eine Lagerbildung für den Kommunalwahlkampf zu inszenieren. Diese Einschätzung der Welterbebewegung deckt sich mit dem Urteil der Sächsischen Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst, Frau Prof. Sabine von Schorlemer. Auch sie hat in einem bisher in Deutsch nicht veröffentlichen Aufsatz den Verlust des Welterbetitels in Dresden als klaren Vertragsbruch seitens des Freistaates Sachsen gegenüber der UNESCO klassifiziert. Thomas Löser sagte in diesem Zusammenhang: Wer den Welterbeverlust an steigenden oder sinkenden Tourismuszahlen misst, denkt zu kurz. Ein Welterbe ist ein ideeler Wert, den zu erhalten sich der Vertragsstaat gegenüber der Weltgemeinschaft verpflichtet. Dies ist in Dresden in absolut unzulässiger Weise nicht geschehen. Damit hat die Kunst- und Kulturstadt Dresden dem weltweit erfolgreichsten internationalen Programm für Völkerverständigung und Schutz von Natur- und Kulturgütern schwer geschadet. Wer aber nicht über den Tellerrand des Elbtales hinausschaut und sich selbst in lächerlichem Größenwahn als Nabel der Welt ansieht, den interessiert eben auch nicht die Meinung der nationalen und internationalen Wertegemeinschaft. Balthasar Permoser, Caspar David Friedrich, George Bähr, Gaetano Ciaveri, Hans Erlwein, Gottfried Semper und Richard Wagner stammten alle nicht aus Dresden und ohne sie und ihre Leistungen wäre Dresden um vieles ärmer. Zur Zeit versucht die Staatsregierung die Bewerbung der Montanregion Erzgebirge um einen UNESCO-Welterbetitel aktiv zu verhindern. Auch die Novellierung des Denkmalschutzgesetzes des Freistaates Sachsen dient diesem politischen Ziel. Die eklatante Nichtbeachtung der Denkmalschutzinteressen der Stadtverwaltung Dresden bei der Sanierung der Albertbrücke und dem Umbau des Kulturpalastes zeigen die gleiche kulturfeindliche Geisteshaltung. (Quo vadis, Dresden? Vom Samstag, 3. Juli 2010) Bis zum 04.08.2010 können Sie Ihre Einwendungen gegen das Planänderungsverfahren der Waldschlößchenbrücke einreichen. Nähere Informationen dazu können Sie auf der Startseite nachlesen. |
| 20. Juli 2010 - Schon 1500 Unterschriften gegen Elbeparkplatz |
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Loschwitz (Sächsische Zeitung, 20. Juli 2010) |
| 16. Juli 2010 - Umwelt-Sünden rächen sich |
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Über den Wandel des Klimas in der Stadt Es war pure Ignoranz: Als Ende der 70er-Jahre in Gorbitz die Plattensiedlung aus dem Feld wuchs, gab es genug Warnungen, dass Dresden eine seiner natürlichen Abzüge für die Luft aus dem Elbtal verlieren würde. Es wurde trotzdem gebaut. Es war pure Ignoranz: Als in den 90er-Jahren das Gewerbegebiet samt Kaufpark in Nickern entstand, achtete niemand darauf, dass Dresden damit eine seiner natürlichen Zugänge für Frischluft verlor. Zwar hatten sich die Zeiten geändert, aber leider lernten die damals verantwortlichen Stadtplaner nichts aus den Fehlern der Vergangenheit. So war es auch mit kleinen Siedlungen an der Elbe, die nach 1990 entstanden, obwohl alte Dresdner wussten, dass dort bei einer Flut das Wasser Platz braucht. In allen Fällen wurden die Warnungen der Umweltschützer ignoriert. Als im August 2002 die Flut kam, kam es schlimmer als befürchtet. Erst danach reagierte die Stadt. Jetzt ist es mächtig heiß und vielleicht reichen ja endlich die hohen Temperaturen zum Umdenken. Dresden braucht Raum für Frischluft, braucht mehr Grün in der Innenstadt. Aber vor allem braucht Dresden mehr ökologisches Denken. Denn Umweltsünden rächen sich grundsätzlich. Allerdings erst Jahre später. Das Verbauen der Gorbitzer Abzugsschneise ist das beste oder besser gesagt schlechteste Beispiel dafür. Peter Ufer (Sächsische Zeitung, 16. Juli 2010) Wo es in Dresden am heißesten istEs gibt in Dresden immer häufiger hitzige Sommer. Besonders schwitzt die Innenstadt, weil die Wärme nicht mehr abziehen kann. Angenehmer als in der Innenstadt ist es bei Matthias Meinck in Dresden Loschwitz. Er führt die private Wetterstation Dresden im Garten an seinem Haus und stellt täglich die Daten ins Internet. „Seit meiner Kindheit interessiere ich mich fürs Wetter“, sagt der 37-Jährige. Während und nach seinem Studium hat er an Messkampagnen an Schweizer Gletschern teilgenommen. Das begeisterte ihn so, dass er fortan seine persönlichen Wetter- und Klimabeobachtungen notierte. Seit sieben Jahren sind die Daten auch auf seiner Internetseite www.dresden-wetter.de zu finden. „Der Zeitraum reicht nicht aus, um eine seriöse Tendenz zu sehen, aber nach den Sommern 2003, 2006 und den jetzigen Werten, lässt sich einschätzen, die Extreme nehmen zu“, sagt er. Auch heute werden wieder Werte über 30 Grad erwartet. Dresden stöhnt unter der Hitze und die Meteorologen kündigen noch kein Ende dieser Wetterperiode an. Die Lage: Einige Stadtteile sind stark überhitzt „Daher kommt es zu starken Überwärmungen besonders in der Altstadt, Neustadt und Pieschen“, sagt Franziska Reinfried, Meteorologin im städtischen Umweltamt. Sehr heiß sei es auch in dicht bebauten Teilen von Johannstadt und Striesen sowie entlang der Bahntrasse Reick-Niedersedlitz. Die Ursachen: Es wurden Kaltluftschneisen verbaut In den besonders betroffenen Gebieten fehlen klimatische Ausgleichsräume, erläutert Meteorologin Reinfried. Grünflächen und Parks würden beispielsweise die Überhitzung am Tage abmildern. Denn tagsüber heizt die Sonne alles auf. Nachts steigt die heiße und damit leichtere Luft auf. Dadurch entsteht ein Sog, der die etwas kühlere Luft beispielsweise aus der Dresdner Heide oder dem Großen Garten in die Innenstadt zieht. Auch breite, begrünte Straßen, wie die St.Petersburger, sorgen für Abkühlung. In den dicht bebauten Gebieten kann auch der Wind nicht durchrauschen und so für Abkühlung sorgen. Wie wichtig Kaltlufteinzugsgebiete sind, zeigt das Beispiel Gorbitz. Obwohl das Wohngebiet es relativ dicht bebaut ist, staut sich hier die Hitze nicht so sehr. Allerdings wurde diese Kaltluftschneise in den 1980er-Jahren durch den Bau des Plattenbaugebietes teilweise abgeschnitten. Auch beim Bau des Einkaufszentrums Nickern wurde die Luftzufuhr nur ungenügend beachtet. Die Lösung: Dresden braucht mehr Frei- und Grünflächen Im Umweltamt wurden die Luftleitbahnen und Frischluftschneisen genau untersucht. Sie befinden sich vor allen an fast allen Taleinschnitten des Nord- und Südhangs. Hier fließt die auf den Hochflächen gebildete Kaltluft zum Stadtgebiet ab. Für das Stadtklima ist auch die Elbe mit ihren Elbauen besonders wichtig. Auf den großen Elbwiesen kann sich nachts Kaltluft bilden. Sie müssen dringend erhalten bleiben. Solche heißen Sommer wie derzeit offenbaren es, Dresden braucht mehr Grünanlagen mit möglichst großen Bäumen. Sie sind nicht nur Schattenspender, sondern sorgen auch durch die Verdunstung für Abkühlung. Zudem schlucken sie noch Schadstoffe. Damit sich die Menschen wohlfühlen können, sollte es in der Innenstadt alle 150 Meter Bäume mit tiefen Wurzeln geben, fordert Umweltamtsleiter Christian Korndörfer. In ihrem neuen Flächennutzungsplan geht die Stadt vom Aufbau eines grünen Netzes aus. Parkanlagen, verbunden mit Baumreihen sollen der allgemeinen Klimaerwärmung entgegenwirken. Freiluftschneisen müssen freigehalten werden. Für das Stadtklima erweist sich auch die lockere Bebauung in der Innenstadt als vorteilhaft. Deshalb sollten weitere Verdichtungen mit Augenmaß erfolgen, heißt es im Klimabericht. Von Bettina Klemm (Sächsische Zeitung, 16. Juli 2010) Sie können was dagegen tun… Damit bestätigt sich mal wieder, wie wichtig viel Grünflächen mit Bäumen in Städten sind und das die Elbwiesen sehr viel mehr sind als ein Naturschutzgebiet. Sie regulieren das Klima, beherbergen viele seltene Tier- und Pflanzenarten, dient für Touristen und Bürgern als Naherholungsgebiet und für manchen Erkrankten auch zur Genesung. |
| 14. Juli 2010 - Stahlbauexperte prophezeit dem Blauen Wunder ein langes Leben |
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Die 1893 errichtete Brücke ist nicht in Gefahr. Bei regelmäßiger Pflege und Wartung kann sie noch viele Jahre genutzt werden. Das Blaue Wunder hält noch weit über 2025 hinaus. Das stellte Professor Dr. Karsten Geißler kürzlich in einem Vortrag beim George-Bähr-Forum für Baukultur und Ingenieurbau der TU Dresden klar. Der 44-Jährige leitet den Lehrstuhl Stahlbau an der Technischen Universität Berlin, hat seine akademischen Wurzeln aber in Dresden. Hier betreibt der Fachmann für Baustatik das Ingenieurbüro GMG, das in regelmäßigen Expertisen den Zustand des Blauen Wunders im Auftrag der Stadt unter die Lupe nimmt. Nach den aufgeregten Debatten um den angeblich desolaten Zustand des Blauen Wunders will das George-Bähr-Forum nun endlich Klarheit schaffen, wie es wirklich um das Bauwerk steht. Seit Jahren wird die Notwendigkeit der Waldschlößchenbrücke auch mit dem Zustand des Loschwitzer Nachbarn begründet. Das Expertenurteil: Es gibt keine statischen Probleme „Das Blaue Wunder ist eines der schönsten und bedeutendsten Brückenbauwerke Deutschlands“, sagte Geißler. Und das wird nach seinem Urteil noch lange so bleiben. „Bei den statischen Nachweisen gibt es keine Probleme.“ Es gebe sogar noch deutliche Reserven. Das hätten die Messungen ergeben. Somit hat Geißler schon bei seinen Untersuchungen Ende der 1990er-Jahre eine Restnutzungsdauer von weit über 30 Jahren angesetzt. „Wir haben auch kein wirkliches Gründungsproblem“, verwies der Experte auch auf die Standsicherheit. Die Voraussetzung sei allerdings, dass das Blaue Wunder weiter für Fahrzeuge über 15 Tonnen gesperrt bleibt. Spannungen werden bei Prüfungen regelmässig gemessen Wie kommt Geißler zu diesen Erkenntnissen? „Man kann vernünftige Schätzungen nach einem speziellen Modell machen“, erläuterte der Stahlbauexperte. Die Restnutzungsdauer habe er nach dem Konzept von August Wöhler berechnet. Über einen längeren Zeitraum werden danach die Beanspruchungen mit einer Achslastwaage direkt gemessen. Ermittelt wird dann, wie sich Lasten und Spannungen in dem Bauwerk verteilen. Berechnet wird auf dieser Basis, wann Stahlteile der Brücke ermüden. Dabei handelt es sich besonders um die sogenannten Zugdiagonalen im Stahlfachwerk. So ein Bauwerk dürfte bei der Bewertung aber nicht nach den Vorschriften für Neubauten berechnet werden, so Geißler. Er kennt Beispiele aus Deutschland, bei denen Bauwerke mit einem anderen Konzept „kaputt gerechnet wurden“. Gute deutsche Beispiele für Rekonstruktion der Brücke Geißler führte Beispiele anderer deutscher Stahlbrücken an, die mit vertretbarem Aufwand rekonstruiert wurden. Bei einem davon handelt es sich um die drei Kilometer lange Eisenbahn-Hochbrücke in Rendsburg, die den Nord-Ostsee-Kanal überspannt. Sie war 1913 fertiggestellt worden. Geißlers Dresdner Büro hat die Nietkonstruktion gründlich untersucht und die Rekonstruktion geplant. Bis Ende dieses Jahres wird sie entsprechend verstärkt. „Man muss nur ein vernünftiges Modell und eine realitätsnahe Bewertung haben“, erläutert der Professor das Herangehen. Als weiteres Beispiel nannte er die 1859 gebaute Waldshuter Eisenbahnbrücke über den Rhein – die älteste in Betrieb befindliche Deutschlands. Für diese Brücke an der Grenze zur Schweiz war ursprünglich eine restliche Nutzungsdauer von 15Jahren ermittelt worden. 1991 wurde sie letztlich verstärkt und hat einen neuen Korrosionsschutz erhalten, sodass die Züge weitere 40 Jahre über das altehrwürdige Bauwerk rollen können. Vorsorge für die Zukunft des Blauen Wunders nötig Geißler kennt jedoch auch die „Ecken und Kanten“ des Blauen Wunders. So ist bei der letzten Hauptprüfung im August 2008 Rost in den Gelenken an den Ankerkammern festgestellt worden. Nun wird die Instandsetzung geplant. Bei dem Alter der Brücke seien auch durchaus Risse möglich. „Wenn so ein Riss käme, wäre er bis zur nächsten Brückenprüfung jedoch nicht in der kritischen Phase“, schätzt er ein. So könnte rechtzeitig gehandelt werden. Im Turnus von drei Jahren wird das Blaue Wunder unter die Lupe genommen. Sogar für Hochwasser ist ein Notfallplan entworfen worden. Die Szenarien beginnen bei der Teilflutung der Ankerkammern, reichen über die teilweise und komplette Sperrung und enden bei der vollen Flutung der Kammern. „Es gibt also nichts, was die Dresdner beunruhigen muss“, so das Fazit von Professor Richard Stroetmann am Ende des Vortrags. Der Leiter des Instituts für Stahl- und Holzbau der TU Dresden moderierte das Forum. Horrorszenario schreckte die Öffentlichkeit auf Mit Horrorszenarien zum Blauen Wunder hatte Baubürgermeister Jörn Marx (CDU) die Öffentlichkeit aufgeschreckt. Vor einem Jahr sprach er von Möglichkeiten eines Abrisses und Neubaus einer zweiten Brücke neben der alten oder einem Elbtunnel. Somit wurde den Bürgern de facto suggeriert, dass die Brücke vorm Einsturz steht. 2015 erhält Loschwitzer Brücke neuen Anstrich Straßenbauamtschef Reinhard Koettnitz bestätigte, dass die Loschwitzer Brücke auch mit der derzeitigen Belastung bis 2025 hält. Rund 33000 Fahrzeuge rollen täglich über das Bauwerk. Allerdings seien dafür eine gute Pflege und Wartung nötig. Dafür investiert die Stadt jährlich rund 130000 Euro. So seien 2003 die Fahrbahn erneuert und die Entwässerungsanlagen in Ordnung gebracht worden. Für 2015 ist ein neuer Anstrich der Stahlkonstruktion geplant. Koettnitz versicherte, dass sich sein Amt intensiv darum kümmert. „Dafür haben wir erfahrene Brückeningenieure“, sagte er. Allerdings ist die Stadt nicht bei allen Dingen so vorangekommen wie geplant. So war bis zum vergangenen Jahr ein Konzept für die nächtliche Anstrahlung des Blauen Wunders entwickelt worden. Dazu sollten an den Bögen LED-Strahler montiert werden. Doch die dafür nötigen 130000 Euro kann das Tiefbauamt derzeit nicht berappen. Und wie geht es nach 2025 weiter mit dem Blauen Wunder? Nach einem Stadtratsbeschluss bereitet das Tiefbauamt Varianten für die dauerhafte Sicherung vor. Experte Geißler sieht gute Chancen, dass das Blaue Wunder dann weitere 30Jahre genutzt werden kann. Von Peter Hilbert (Sächsische Zeitung, 13. Juli 2010) |
| 13. Juli 2010 – Termin für die Abgabe der Einwendungen gegen die Planänderung steht fest |
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Um der Öffentlichkeit Gelegenheit zu bieten, sich über die geplanten Änderungen zu informieren, wurden die auf Änderung des Planfeststellungsbeschlusses gerichteten Antragsunterlagen am 21.6.2010 ausgelegt. Die Unterlagen können dort bis zum 21.7.2010 eingesehen werden. Unabhängig von etwaigen Betroffenheiten in eigenen Interessen kann Jedermann bis zum 4.8.2010 gegen die geplante Änderung Einwendungen vorbringen (vgl. Muster). Landeshauptstadt Dresden oder Landesdirektion Dresden Öffnungszeiten: Mo, Mi, Fr 9 – 12 Di und Do 9 – 18 Es ist unbedingt darauf zu achten, dass die Einwendungen spätestens am 4.8.2010 bei der Landeshauptstadt oder der Landesdirektion eingehen. Um einen rechtzeitigen Eingang sicherzustellen, sollte ein Einwendungsschreiben möglichst drei Tage zuvor bei der Post aufgegeben werden. Wer ganz sicher gehen will, kann das Einwendungsschreiben auch bei der Landeshauptstadt oder der Landesdirektion persönlich abgegeben, sollte sich den Empfang aber jedenfalls quittieren lassen (Quittung in jedem Fall aufbewahren). Beispiele für Einwendungen und einen Musterbrief finden Sie auf der Sartseite unter den Aktuellen Berichten. |
| 13. Juli 2010 - Interview mit Oberbürgermeisterin Helma Orosz |
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Wer verhärtet, der schafft diesen Job nicht Oberbürgermeisterin Helma Orosz ist jetzt zwei Jahre im Amt. Sie musste Niederlagen einstecken wie den Verlust des Welterbetitels. Sie hat Erfolge vorzuweisen – wie die Sanierung von 20 Schulen. Besonders belastet sie der Umgang mit dem Stadtrat. Frau Oberbürgermeisterin, Sie sind jetzt zwei Jahre im Amt. Schauen Sie mit Freude auf die ersten zwei Jahre? Absolut, ja. Was verschaffte Ihnen Freude? Da gibt es eine ganze Menge. Natürlich gab es anfangs viele Themen, die bereits, wie man sagt, in der Pipeline waren, die ich übernommen habe. Neben dem Streit um die Waldschlößchenbrücke zählen natürlich die Standortfrage für Operette und das Theater Junge Generation dazu sowie der Kulturpalastumbau und die Neuordnung des Tourismusgeschäfts. Dort haben Sie zu Beginn auch gleich die Tourismusgesellschaft DWT zerschlagen. War das aus heutiger Sicht der richtige Schritt? Ja. Die alte Gesellschaft war zu Beginn meiner Amtszeit von Insolvenz bedroht. Ich habe die Entscheidung getroffen, sie aufzulösen, um uns mit der neuen Dresden Marketing Gesellschaft um die Kernkompetenzen zu kümmern. Worin bestehen die? Das ist das Werben um Gäste und das Marketing für Dresden. Den gesamten kommerziellen Bereich haben wir abgegeben. Uns ist es gelungen, die Branche einzubinden. Es freut mich sehr, dass die Touristenzahlen wieder steigen. Beim Thema Brücke haben Sie im Wahlkampf den Bau popularisiert, wollen aber zugleich den Welterbetitel erhalten. Ist Ihnen heute klar, dass das eine Illusion war? 80 Prozent aller Diskussionen, auch mit der Unesco, waren damals schon gelaufen. Aber dennoch bin ich mehrfach nach Paris gereist, um beim Welterbezentrum für die Vereinbarkeit von Brücke und Titel zu werben. Zudem bin ich zur entscheidenden Sitzung des Welterbekomitees nach Sevilla gefahren und habe dort versucht, die Mitglieder für einen Kompromiss zu gewinnen. Nach der Rückkehr und dem Titelverlust haben Sie eine erneute Bewerbung Dresdens für den Welterbetitel ins Gespräch gebracht. Warum ist das im Sande verlaufen? Das sehe ich nicht so. Niemand hat gesagt, es muss sofort passieren. Mir war wichtig zu kommunizieren, dass auch das Komitee darunter gelitten hat, einer Stadt wie Dresden den Titel abzuerkennen. Würden Sie in Ihrer Amtszeit eine neue Bewerbung wagen? Es hat keinen Sinn, wenn von Anfang an die Hälfte der Bürgerschaft dafür, die andere Hälfte dagegen ist. Meine Meinung ist, dass wir erst die Brücke fertigstellen sollten, bevor wir mit neuen Diskussionen beginnen. Danach kann man das Thema noch einmal angehen und überlegen, was Dresden als Welterbe anbieten könnte. Haben Sie einen Stadtteil als Favoriten, mit dem sich Dresden erneut bewerben sollte? Nein. In der vorangegangenen Diskussion wurde auch einiges nicht ganz ernst Gemeintes genannt, etwa der Stollen. Den Vorschlag Hellerau fand ich nicht schlecht. Ich glaube aber, dass es viele Stadtgebiete gibt, die infrage kämen. Dazu gehört die Altstadt. Dort soll seit Jahren der Kulturpalast umgebaut werden. Allerdings sind bis heute die Fördermittel nicht mal beantragt. Ist das Projekt damit noch realistisch? Wir sind in der Phase, in der wir die detaillierten Planungen vorbereiten. Erst dann können wir den konkreten Förderantrag einreichen. Aber es gibt selbstverständlich Unterlagen für den Freistaat, die das Vorhaben und die Zeiträume beschreiben. Der Freistaat steht nach wie vor dazu, dass das Vorhaben förderfähig ist und dass er sich an dem Vorhaben beteiligt. Ich gehe davon aus, dass das auch so bleibt. Der Umbau des Kulturpalastes kostet über 65 Millionen Euro, zudem bürgt die Stadt für den Kauf der Drewag-Anteile. War dieser Kauf angesichts fehlenden Geldes zum Beispiel für die Schulsanierung wirklich nötig? Titel verloren.ch bin froh, dass es uns gelungen ist, diesen Kauf erfolgreich abzuschließen. Jetzt hat Dresden nachhaltig die Möglichkeit, auf die Versorgung mit Gas, Wasser und Strom direkt Einfluss zu nehmen. Froh bin ich, dass wir damit Hunderte Arbeitsplätze und Steuereinnahmen erhalten haben. Zudem stärken wir die Zusammenarbeit mit der Region und nehmen Einfluss auf erneuerbare Energien und ökologische Projekte. Für den Kauf wurden 836 Millionen Euro ausgegeben. Warum riskieren Sie eine Neuverschuldung? Wir haben den Kauf über unsere Stadttochter TWD realisiert. Und Schulden bei einer kommunalen Beteiligung kann man nicht gleichsetzen mit Schulden im städtischen Haushalt. Aber die Stadt, damit letztlich der Steuerzahler bürgt für das Geschäft. Was passiert, wenn es schiefgeht? Die in der Geso vereinten Energieunternehmen sichern mit ihren Leistungen die Kreditaufnahmen ab. Das ist ein Potenzial an Finanzkraft. Ich bin sicher, dass der Kauf aus der Wirtschaftskraft des Versorgers finanziert wird. Ein seit Jahren schwelendes Dauerthema ist auch der bereits angesprochene Operettenneubau. Gibt es da überhaupt eine Lösung? Es gibt jedenfalls einen Stadtratsbeschluss. Der Rat ist mir mehrheitlich leider nicht gefolgt, aus Kostengründen das TJG am Standort zu belassen. Er will, dass Operette und das Theater Junge Generation ins Kulturkraftwerk Mitte ziehen. Er hat uns aber auch beauftragt, den Standort Wiener Platz für die Operette zu prüfen. Daran arbeiten wir mit Hochdruck. Wie soll der Umbau des Kraftwerks Mitte zum Kulturkraftwerk, der rund 90 Millionen Euro kostet, finanziert werden? Es gibt ein umfangreiches Finanzierungstableau. Der Freistaat hat rasch klargemacht, dass es keine Fördermittel gibt. Wir ersetzen diese aus städtischen Rücklagen. Wir müssen aber sehen, dass wir den Haushalt nicht zu sehr belasten. Sie tun es aber mit dem Projekt erneut. Nochmals zu den Schulen. Die Sanierung eines Teils der Häuser bleibt auf der Strecke, Bildung allerdings war Ihr großes Wahlversprechen. Was ist draus geworden? Es bleibt ein großes Thema. Ich denke, dass wir einen erfolgreichen Weg eingeschlagen haben. Inklusive des Konjunkturpakets stehen im aktuellen Haushalt knapp 200 Millionen Euro für Schulen und Kitas zur Verfügung. In den vergangenen zwei Jahren wurden 20 Schulbauten beendet, 27 Kitas in Betrieb genommen und 18 saniert. Weitere Projekte laufen. Dahinter stehen gigantische Summen. Man darf nicht so tun, als ob sich seit Jahrzehnten nichts geändert hat. Aber es ist auch eine Illusion, dass wir die Versäumnisse der 90er-Jahre kurzfristig ausgleichen könnten. Ein anderer Dauerkonflikt besteht beim Ausbau der Königsbrücker Straße. Soll sie zwei- oder vierspurig werden? Es wird wohl auf eine Mischform hinauslaufen. Ich habe die Dresden-Konferenz reaktiviert, mit Fördermittelgebern, den Verkehrsbetrieben und Verwaltungsvertretern. Alle sollten an einen Tisch. Die Aussage des vorherigen Wirtschaftsministers, Fördermittel gebe es unabhängig von der Anzahl der Fahrspuren, hat sich als unrealistisch erwiesen. Inzwischen ist es so, dass es eine interne Variante gibt, die an den Haltepunkten Einschränkungen vorsieht, damit Fördermittel für die Straßenbahn in Anspruch genommen werden können. An anderen Stellen soll es drei- oder vierspurig sein. Teilweise fährt der Autoverkehr über die Gleise. Das hat den Vorteil, dass die Stadt nur wenig Privateigentum in Anspruch nehmen muss. Noch aber wartet das Ministerium auf die Verkehrsprognosezahlen für 2025. Erst wenn die vorliegen, kann das Vorhaben angegangen werden. Das wird nicht in den kommenden Wochen passieren. Fünf Jahre haben Sie jetzt vor sich. Was ist Ihnen wichtig? Dresden soll und muss schuldenfrei bleiben. Die Zuweisungen von Bund und Land gehen zurück, Pflichtaufgaben werden erhöht. Auch meine Priorität für Bildung soll künftig erhalten bleiben. Dazu ist umsichtiges Handeln nötig. Das heißt für uns, dass wir möglicherweise Projekte etwa im Straßenbau noch einmal überarbeiten müssen. Wir müssen den Wirtschaftsstandort unterstützen. Die öffentliche Hand darf nicht aufhören zu investieren. Zudem wollen wir Partnerschaften etwa bei der Hochtechnologie ausbauen. Im November werde ich als OB in der Stadtverwaltung ein Dienstleistungszentrum für die Wirtschaft eröffnen. Zudem unterstützen wir die Technische Hochschule bei dem Bemühen, Exzellenzuniversität zu werden. Was hat Sie besonders gequält? Gequält nicht. Aber als belastend finde ich den Umgang im Stadtrat. Der ist manchmal aggressiv und schwierig. Absprachen und Sachlichkeit sind kaum möglich. Hat Sie Dynamo gequält? Die Stadt ist für Dynamo. Dazu muss der Verein aber seine Strukturen professionalisieren. Ich hoffe, dass Reiner Calmund dabei helfen kann. Ich habe in meiner Amtszeit bisher drei Geschäftsführer und wechselnde Aufsichtsräte erlebt. Der Verein muss professioneller werden, etwa durch Ausgliederung der Profimannschaft in eine Spielbetriebsgesellschaft. Manchmal hat man den Eindruck, dass es Konflikte zwischen Ihnen und den Bürgermeistern untereinander gibt. Hier sind sieben Bürgermeister mit Stärken und Schwächen. Da ist es natürlich, dass es unterschiedliche Auffassungen gibt. Sind Sie härter geworden? Es ist nicht immer einfach. Aber wir kennen uns besser als vor eineinhalb Jahren. Das erleichtert die Arbeit. Aber es gelingt nicht immer, das gemeinsame Bild der Stadtverwaltung nach außen zu tragen. Das muss anders werden. Sind Sie verhärtet? Nein. Dann könnte man diesen Job gar nicht mehr machen. Auch nicht auf die Bürger zugehen und als Ansprechpartner dienen. Treten Sie 2015 noch mal an? Fragen Sie mich das in einigen Jahren noch mal. Ich konzentriere mich auf die aktuellen Aufgaben. Gespräch: Peter Ufer und Thilo Alexe (Sächsische Zeitung, 12. Juli 2010) Schwerlastkran hebt letzte Brückenträger am Neustädter Ufer ein Anfang August sollen auf der rechten Elbseite alle großen Teile montiert sein. Bis Anfang August werden die letzten drei großen Stahlträger auf der Neustädter Seite der Waldschlößchenbrücke eingehoben. Dabei handelt es sich um drei jeweils rund 30 Meter lange Stahlteile, die per Schwerlastkran an ihren Bestimmungsort unterhalb des Tunnelportals bugsiert werden. Drei derartige Teile sind dort nötig, da die Brücke in diesem Bereich breiter werden soll. Geplant ist dort eine Bushaltestelle. Mit einem Aufzug können Fahrgäste künftig eine Etage höher zur Bautzner Straße gelangen, wo sie in die Straßenbahn umsteigen können. Voraussichtlich an diesem Mittwoch wird das erste Teil eingehoben, dann folgen jeweils mit einigen Tagen Abstand die nächsten Träger. Sind die eingehoben, müssen noch kleinere Kragträger und Seitenabschlussteile montiert werden, über die künftig Geh- und Radwege verlaufen werden. Mit der Montage der sogenannten Neustädter Vorlandbrücke war Anfang dieses Jahres begonnen worden. Sie überspannt auf 217Metern Länge die Elbwiesen vom Ufer bis vor das Tunnelportal. Der erste stählerne Hauptträger war im März dieses Jahres eingehoben worden. Nach wie vor ist es das Ziel des Rathauses, dass die Waldschlößchenbrücke Ende 2011 fertig wird. (SZ/phi) (Sächsische Zeitung, 12. Juli 2010) |
